Was ist interaktive Kunst? Ein Leitfaden zur Kunst, die antwortet

Die meiste Kunst bittet dich, hinzuschauen. Interaktive Kunst bittet dich, zu handeln, und zeigt dir dann, was dein Handeln verändert hat. Dieser Leitfaden erklärt, was das heißt und wo ihre Grenzen liegen, folgt ihrer Geschichte durch die Werke, die sie geprägt haben, und zeigt, wie sie entsteht und wo du ihr heute begegnest.

Goldene Lichtkörner, die sich auf einer dunklen Platte zu einer symmetrischen Figur ordnen, in der Welt Cymatics von Synfield.

Interaktive Kunst ist Kunst, die sich durch das verändert, was ihr Publikum tut. Jemand bewegt sich, berührt etwas, spricht, atmet oder klickt, und das Werk antwortet: Ein Bild verschiebt sich, ein Klang setzt ein, ein Raum ordnet sich neu. Die Antwort hat die Künstlerin oder der Künstler entworfen, aber das konkrete Ergebnis hängt davon ab, wer gerade da ist und was diese Person tut. In vielen interaktiven Werken passiert kaum etwas, bevor jemand mitmacht.

So weit die kurze Antwort. Die lange ist interessanter, denn die Grenzen sind unscharf. Manche Werke antworten nur einmal, andere führen mit dir ein langes Gespräch; manche brauchen einen Computer, viele nicht. Dieser Leitfaden ordnet diese Unterschiede, verfolgt die Idee durch die Werke, die sie geprägt haben, und endet mit praktischen Tipps, wie du sie erleben kannst.

Eine Arbeitsdefinition und ihre Grenzen

Die meisten Definitionen interaktiver Kunst teilen drei Zutaten:

  1. Etwas wird erfasst. Es gibt eine Eingabe: eine Position im Raum, eine Berührung, ein Geräusch, eine Geste, einen Klick, einen Herzschlag.
  2. Das Werk antwortet. Die Eingabe verändert, was das Werk zeigt, erklingen lässt oder tut, nach Regeln, die die Künstlerin oder der Künstler festgelegt hat.
  3. Du nimmst die Veränderung wahr und kannst erneut handeln. Zwischen dir und dem Werk entsteht ein Kreislauf, und du beginnst zu lernen, wie es sich verhält.

Diese Zutaten sind unterschiedlich stark vorhanden, und es hilft, Interaktivität als Spektrum zu verstehen statt als Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. An einem Ende reagiert ein Licht, das angeht, wenn du einen Raum betrittst, auf dich. Eine Projektion, die deiner Silhouette folgt, antwortet fortlaufend. Ein Werk, das du spielen lernen kannst, indem du es ausprobierst und dein Verhalten anpasst, ist interaktiv im vollen Sinn. Und ein Werk, das nur existiert, weil mehrere Menschen es gemeinsam gestalten, ist partizipativ.

Vier Punkte auf einer Linie, beschriftet mit reaktiv, antwortend, interaktiv und partizipativ. Unter jedem eine kurze Beschreibung: Deine Anwesenheit löst eine feste Reaktion aus; die Antwort folgt dem, was du tust, während du es tust; ein Kreislauf, in dem du handelst, das Werk antwortet und du es lernst; Menschen gestalten das Werk miteinander. Kleine Zeichnungen zeigen eine Person und ein Licht, eine Person, der Punkte folgen, eine Person in einer Schleife und drei Personen, die ein Bogen verbindet.
Vier Stufen der Beteiligung des Publikums. Die Grenzen sind fließend, und ein Werk kann bei einem einzigen Besuch zwischen ihnen wechseln. Für diesen Leitfaden erstelltes Diagramm.

Keine dieser Positionen ist künstlerischer als eine andere. Künstler und Theoretikerinnen ziehen die Grenzen zudem unterschiedlich: Manche verwenden »interaktiv« nur für computergesteuerte Werke, andere zählen jedes Werk dazu, das das Publikum körperlich verändert. Wenn du eine Definition liest, auch diese hier, nimm sie als nützliches Werkzeug zum Schauen, nicht als Regel.

Interaktiv, digital, partizipativ, generativ, immersiv

Mehrere benachbarte Begriffe werden oft so verwendet, als bedeuteten sie dasselbe. Sie beschreiben verschiedene Eigenschaften, und ein einzelnes Werk kann mehrere davon zugleich haben.

  • Digitale Kunst wird über ihr Medium definiert: Sie wird mit digitaler Technik geschaffen oder gezeigt. Ein Video in Endlosschleife auf einem Bildschirm ist digital, und es läuft gleich ab, ob jemand zusieht oder nicht.
  • Interaktive Kunst wird über eine Beziehung definiert: Das Werk verändert sich als Antwort auf sein Publikum. Sie kann digital sein oder nicht. Eine Reihe von Tafeln, die Besucherinnen und Besucher zu neuen Anordnungen verschieben, ist interaktiv, ganz ohne Elektronik.
  • Partizipative Kunst stellt die Beteiligung des Publikums in den Mittelpunkt, oft in einem sozialen Sinn: ein gemeinsames Essen, eine kollektive Aktion, eine Performance, die das Publikum vollendet. Sie kommt womöglich ganz ohne reagierende Technik aus.
  • Generative Kunst wird über ihren Prozess definiert: Sie entsteht durch ein System, sei es ein Regelwerk, ein Programm oder eine Maschine, das mit einer gewissen Eigenständigkeit arbeitet. Das Publikum muss dafür nicht handeln. Wenn sie zusätzlich auf Menschen reagiert, wird sie zu interaktiver generativer Kunst, der ein eigener Leitfaden gewidmet ist.
  • Immersive Kunst umgibt dich: ein Raum, eine Projektion, die dein Blickfeld füllt, eine VR-Brille. Der Begriff beschreibt Maßstab und Umhüllung, nicht Reaktion. Viele immersive Installationen sind interaktiv, aber ein Film, der rund um dich projiziert wird, ist immersiv und nicht interaktiv.
  • Interaktive Kunst im Browser ist eher ein Ort als eine Kategorie: Werke, die in einer gewöhnlichen Webseite laufen, mit Maus, Touchscreen und manchmal der Kamera. Eine Auswahl interaktiver Websites zeigt, wie vielfältig sie sein kann.
Ein Diagramm aus drei sich überschneidenden Kreisen, beschriftet mit digital, interaktiv und generativ, dazu ein gestricheltes Oval für das Partizipative, das den interaktiven Kreis überlappt. Die Beispiele stehen dort, wo sie hingehören: ein Video in Endlosschleife nur im digitalen Bereich; Text Rain im digitalen und interaktiven; das Spiel des Lebens im digitalen und generativen; die Wandzeichnungen von Sol LeWitt nur im generativen; die Change Paintings im interaktiven und partizipativen; ein Kaleidoskop im interaktiven und generativen, ohne digital zu sein; Galápagos und Silk dort, wo sich digital, interaktiv und generativ überschneiden; ein Happening oder ein gemeinsames Essen nur im partizipativen Bereich.
Wie sich die Begriffe überschneiden. Wo ein Werk steht, ist eine Frage der Gewichtung, und manche ließen sich auch einem Nachbarbereich zuordnen. Für diesen Leitfaden erstelltes Diagramm.
BegriffWas er beschreibtGeht das auch ohne Computer?Beispiel
DigitalDas MediumNeinEin Video in Endlosschleife auf einem Bildschirm
InteraktivEine Antwort auf das PublikumJaRoy Ascotts Change Paintings
PartizipativDie Beteiligung des Publikums, oft sozialJaEin Happening, ein gemeinsames Essen
GenerativEin Prozess, der mit einer gewissen Eigenständigkeit abläuftJaSol LeWitts Wandzeichnungen, ausgeführt nach schriftlichen Anweisungen
ImmersivVom Werk umgeben seinJaEine raumfüllende Installation
Im BrowserWo das Werk läuftNeinSilk, Blob Opera

Eine kurze Geschichte in zehn Werken

Interaktive Kunst begann nicht mit dem Computer. Sie ging aus einem langen Bemühen von Künstlerinnen und Künstlern hervor, das Publikum zum Teil des Werks zu machen, und der Computer kam als ein wirkungsvoller Weg dazu, dies zu erreichen. Die zehn Werke unten sind keine vollständige Geschichte, aber jedes markiert einen Schritt, auf dem spätere Künstlerinnen und Künstler aufbauten.

Eine Zeitleiste von 1920 bis 2012 mit zehn Werken: Rotary Glass Plates von Marcel Duchamp, 1920; Change Paintings von Roy Ascott, 1959; Participation TV von Nam June Paik, 1963; Videoplace von Myron Krueger, 1975; The Legible City von Jeffrey Shaw, 1989; Osmose von Char Davies, 1995; Galápagos von Karl Sims, 1997; Text Rain von Camille Utterback und Romy Achituv, 1999; Pulse Room von Rafael Lozano-Hemmer, 2006; Rain Room von Random International, 2012.
Zehn Werke, die interaktive Kunst geprägt haben. Die Jahre zwischen 1920 und dem Ende der 1950er-Jahre sind gestaucht dargestellt. Für diesen Leitfaden erstelltes Diagramm.

1920: ein Werk, das vom Standpunkt abhängt

Marcel Duchamps Rotary Glass Plates (Precision Optics), 1920 entstanden und heute in der Yale University Art Gallery, ist eine motorisierte Konstruktion aus bemalten Glasplatten. Wenn sie sich dreht, verschmelzen die einzelnen Linien zu konzentrischen Kreisen, allerdings nur vom richtigen Betrachtungspunkt aus. Interaktiv im heutigen Sinn ist sie nicht, denn wer davorsteht, verändert nichts an der Maschine. Sie gilt oft als Vorläuferin, weil das Bild vom Körper und Standort der Betrachtenden abhängt.

1959: Tafeln, die das Publikum neu ordnet

Ab 1959 schuf der britische Künstler Roy Ascott seine Change Paintings (»veränderliche Bilder«): Kompositionen auf bemalten Plexiglastafeln, die das Publikum verschieben und neu anordnen konnte, sodass das Werk keinen einzigen Endzustand hatte. Ascott wurde später einer der einflussreichsten Theoretiker von Kunst und Kybernetik, und diese einfachen, physischen Arbeiten werden oft als frühe interaktive Kunst genannt, entstanden ohne einen einzigen Schaltkreis.

1963: ein Fernseher, der zuhört

Im März 1963 eröffnete Nam June Paik, der später als Begründer der Videokunst galt, in Wuppertal seine erste Einzelausstellung, Exposition of Music – Electronic Television. Unter den dreizehn veränderten Fernsehgeräten war Participation TV (»Fernsehen zum Mitmachen«). Laut dem Nam June Paik Art Center, das eine Fassung von 1998 besitzt, war die früheste Form rein akustisch; in der späteren Fassung werden Klänge, die man in ein Mikrofon spricht oder singt, auf dem Bildschirm zu wechselnden Mustern aus roten, grünen und blauen Linien. Der Titel sagt alles: Fernsehen als etwas, auf das man einwirkt, nicht nur etwas, das man empfängt.

1975: Der Computer sieht den Körper

Myron Krueger entwarf Videoplace 1969, erprobte seine Ideen 1970 in einer Ausstellung namens Metaplay und zeigte 1975 im Milwaukee Art Museum eine Arbeit über einen gemeinsamen Telekommunikationsraum, als die Arbeit am vollständigen System begann. Kameras erfassten die Silhouetten der Besucherinnen und Besucher und setzten sie in Echtzeit in eine grafische Welt, in der sie mit virtuellen Objekten und mit Menschen in einem anderen Raum interagieren konnten. Krueger nannte das künstliche Realität, und seine Dissertation von 1974 erschien als Buch Artificial Reality (1983). Jedes Kunstwerk, das einen Körper per Kamera liest, ohne dass man etwas anziehen muss, geht auf diese Idee zurück.

1989: eine Stadt aus Buchstaben

In Jeffrey Shaws The Legible City (»die lesbare Stadt«), entstanden mit Dirk Groeneveld in drei Fassungen zwischen 1988 und 1991, fährt man auf einem stationären Fahrrad durch eine Stadt, deren Gebäude durch dreidimensionale Buchstaben ersetzt sind. Mit Treten und Lenken bewegst du dich durch Manhattan, Amsterdam oder Karlsruhe. In den Fassungen für Amsterdam und Karlsruhe haben die Buchstaben die Proportionen und Positionen der realen Gebäude. Das Werk gehört zur Sammlung des ZKM in Karlsruhe. Es nutzte den ganzen Körper als Schnittstelle, zu einer Zeit, als man Computer mit Tastatur und Joystick steuerte.

1995: Navigieren mit dem Atem

Char Davies' Osmose (1995) ist eine Virtual-Reality-Installation, in der die Besucherin oder der Besucher, von Davies Immersant genannt, ein Headset und eine Weste trägt, die Atmung und Gleichgewicht erfasst. Einatmen lässt dich steigen, Ausatmen sinken, und wenn du dich neigst, bewegst du dich durch ein Dutzend naturinspirierter Räume: eine Lichtung, einen Wald, ein Blatt, eine Wolke. Das Werk ist zugleich immersiv und interaktiv, und es wählte die langsamste aller Schnittstellen, den Atem, zu einer Zeit, als man virtuelle Realität mit Geschwindigkeit verband.

1997: das Publikum als Evolution

In Karl Sims' Galápagos, von 1997 bis 2000 im ICC in Tokio installiert, zeigten zwölf Bildschirme abstrakte animierte Organismen. Das Publikum stellte sich auf Sensoren vor die Wesen, die es am interessantesten fand; diese überlebten, paarten sich und mutierten, während die übrigen durch ihre Nachkommen ersetzt wurden. Das Werk ist interaktiv, generativ und partizipativ zugleich: Das Publikum lenkte gemeinsam einen Evolutionsprozess.

1999: der Körper als Material

In Camille Utterbacks und Romy Achituvs Text Rain (1999) sehen die Besucherinnen und Besucher ihr eigenes Spiegelbild auf einer großen Projektion, während farbige Buchstaben um sie herum fallen. Die Buchstaben landen auf allem, was dunkel genug ist, einem Arm oder einem Regenschirm, und fallen weiter, sobald es sich bewegt; die Wörter stammen aus Evan Zimroths Gedicht »Talk, You«. Das Smithsonian American Art Museum erwarb das Werk 2015. Im selben Jahr 1999 nutzte Daniel Rozins Wooden Mirror (»Holzspiegel«) 830 motorisierte Holzplättchen, um jeden zu spiegeln, der davorstand, und ein Jahr zuvor hatte Scott Snibbes Boundary Functions (1998) Linien auf den Boden projiziert, die einen Raum in das persönliche Territorium jeder Person aufteilten, und reagierte nur, wenn mindestens zwei Menschen da waren.

2006: ein Raum voller Herzschläge

Rafael Lozano-Hemmers Pulse Room, erstmals 2006 gezeigt, füllt einen Raum mit hundert bis dreihundert klaren Glühbirnen. Eine Besucherin oder ein Besucher hält einen Sensor; der eigene Herzschlag lässt die nächstgelegene Birne im selben Rhythmus aufleuchten, und jede neue Person schiebt die früheren Aufzeichnungen um eine Birne weiter. Der Raum wird zum Archiv aller, die ihn berührt haben.

2012: Regen, der für dich aufhört

In Random Internationals Rain Room (2012) können Besucherinnen und Besucher durch fallenden Regen gehen, ohne nass zu werden: 3D-Tracking-Kameras erkennen die Körper und stoppen das Wasser direkt über ihnen. Das Werk wurde 2012 im Barbican in London eröffnet und war danach im MoMA (2013), im Yuz Museum in Shanghai (2015) und im LACMA (2015–2017) zu sehen. Laut der Sharjah Art Foundation befindet sich seine erste dauerhafte Installation in Al Majarrah in Schardscha. Rain Room zeigte auch die Grenzen der Form: Wer sich zu schnell bewegt, wird nass, weil das System einen Moment braucht, um einen zu sehen.

Seitdem: der Browser

Heutige Browser können komplexe Grafiken zeichnen, Klänge synthetisieren und, mit Erlaubnis, Kamera oder Mikrofon nutzen. Dadurch ist das Web zu einem der einfachsten Orte geworden, um interaktiver Kunst zu begegnen: kein Ticket, keine Warteschlange, zu jeder Stunde geöffnet. Manche Arbeiten sind kleine Experimente, andere vollwertige Werke, die wiederholte Besuche belohnen.

Was sich ändert, wenn das Publikum handelt

Wenn ein Werk auf dich antwortet, verändert sich das Erlebnis auf eine Weise, die es wert ist, bemerkt zu werden.

  • Du wirst sichtbar. In Text Rain oder Videoplace ist dein Körper auf dem Bildschirm, und andere sehen dir beim Spielen zu. Interaktive Kunst macht Zuschauende oft zu Mitwirkenden, ob sie es wollen oder nicht.
  • Das Werk ist nie als Ganzes zu sehen. Jeder Besuch zeigt einen Weg durch eine Vielzahl von Möglichkeiten. Zwei Menschen können dasselbe Werk sehr unterschiedlich beschreiben, und beide haben recht.
  • Zeit spielt eine Rolle. Ein Gemälde lässt sich mit einem Blick erfassen. Ein interaktives Werk braucht oft ein paar Minuten, bis sein Verhalten verständlich wird.
  • Andere verändern es. Viele Werke verhalten sich mit einer Person anders als mit mehreren. Boundary Functions tut für einen einzelnen Menschen überhaupt nichts.
  • Die Fragen ändern sich. Neben »Was bedeutet das?« fragst du dich plötzlich »Worauf hört es?« und »Was passiert, wenn ich weniger tue?«. Diese Fragen sind Teil des Werks.
Cymatics in Ruhe: goldene Lichtlinien bilden ein symmetrisches Muster auf einer quadratischen Platte.
Cymatics in Synfield, vorher: Lichtkörner, die sich zu einer Figur auf der Platte geordnet haben.
Cymatics nach dem Loslassen: dieselbe Platte, die Körner zu einem blassen, zerbrochenen Muster verstreut.
Nach Halten und Loslassen springen die Körner. Echte Aufnahmen, mit der Maus gemacht.

Was interaktive Werke erfassen können

Die Liste ist mit der Technik gewachsen, aber die großen Familien sind stabil geblieben.

EingabeWas sie erfasstBeispiel
Anwesenheit und PositionOb jemand da ist und wo die Person stehtBoundary Functions, Rain Room
Berührung und DruckKontakt mit einer Fläche oder einem ObjektChange Paintings, Touchscreens
Bewegung und GesteDer Körper, die Arme, die HändeVideoplace, Text Rain
Stimme und KlangTonhöhe, Lautstärke, RhythmusParticipation TV
KörpersignaleAtem, Herzschlag, GleichgewichtOsmose, Pulse Room
EntscheidungenAuswahl zwischen OptionenGalápagos
ZeigerMaus, Trackpad, Finger auf dem BildschirmDie meisten Werke im Browser
Andere MenschenViele Besucher gleichzeitig, manchmal weit voneinander entferntDer gemeinsame Raum von Videoplace

Wie es gemacht wird, in einfachen Worten

Du musst nicht wissen, wie ein Werk funktioniert, um es zu genießen, aber eine grobe Landkarte erklärt, warum sich manche sofort anfühlen und andere träge.

Sensoren

Ein Sensor verwandelt etwas Physisches in eine Zahl: Abstand, Druck, Licht, Lautstärke. Installationen kombinieren oft mehrere davon. Kleine Mikrocontroller-Platinen machen es leicht, Sensoren mit Lampen, Motoren und Lautsprechern zu verbinden, und deshalb werden so viele zeitgenössische Installationen von kleinen Studios gebaut.

Computer Vision

Computer Vision ist Software, die Informationen aus Kamerabildern gewinnt. Videoplace trennte eine Silhouette vom Hintergrund; Text Rain suchte nach Bereichen, die dunkler als ein Schwellenwert waren. Heutige Modelle schätzen die Positionen der Gelenke eines Körpers oder die einundzwanzig Punkte einer Hand, die Googles MediaPipe Hand Landmarker für jede erkannte Hand liefert, viele Male pro Sekunde auf gewöhnlicher Hardware.

Tempo

Ein interaktives Werk muss schnell antworten, am besten in einem Bruchteil einer Sekunde, sonst reißt der Kreislauf zwischen Handlung und Antwort ab und das Werk wirkt tot. Ein großer Teil des Handwerks ist unsichtbar: dafür zu sorgen, dass die Antwort rechtzeitig ankommt.

Software

Künstlerinnen und Künstler nutzen Umgebungen für kreatives Programmieren wie Processing und p5.js, Game-Engines, Klangumgebungen und im Browser die eingebauten Grafik- und Audioschnittstellen WebGL und Web Audio API.

Der Browser und deine Kamera

Ein moderner Browser kann dreidimensionale Szenen darstellen, Klang abspielen und, wenn du es erlaubst, die Kamera nutzen. Ein gut gemachtes Werk fragt nur dann nach der Kamera, wenn du sie verwenden willst, und erklärt, was mit dem Video geschieht. In Synfield zum Beispiel ist die Kamera optional, das Video wird in deinem Browser verarbeitet, und Synfield zeichnet es nicht auf und schickt seine Einzelbilder an keinen Server; die Datenschutzseite erklärt die Einzelheiten.

Im Ausstellungsraum oder im Browser

Physische InstallationIm Browser
WoMuseen, Festivals, öffentlicher RaumJeder Computer, jedes Smartphone
MaßstabKann einen Raum füllen und dich umgebenPasst auf einen Bildschirm; Klang über Lautsprecher oder Kopfhörer
SinneTastsinn, Temperatur, Wasser, AtemSehen und Hören; Berührung auf dem Smartphone; Kamera, wenn du sie erlaubst
SozialOft geteilt: Andere sehen dir beim Spielen zuMeist privat, manchmal vernetzt
ZugangEin Besuch, oft mit Eintritt, oft befristetZu jeder Zeit, von überall
LebensdauerSchwer zu erhalten und auf Tour zu schickenLeicht zu teilen, fragil, wenn sich Browser ändern

Keine der beiden ist eine geringere Form. Rain Room bietet eine körperliche Intensität, an die kein Bildschirm heranreicht, braucht aber auch einen eigens gebauten Raum und sehr viel Wasser. Ein Werk im Browser lässt sich um drei Uhr morgens wieder besuchen und per Link teilen, und es kann aufhören zu funktionieren, wenn sich ein Browser ändert. Die Bewahrung ist für beide ein echtes Problem: Installationen hängen von Hardware ab, die altert, Browserwerke von Software, die sich wandelt.

Wie du interaktive Kunst erleben kannst

  1. Lies die kurze Anleitung, dann hör auf zu lesen. Die meisten Werke geben einen einzigen Hinweis. Der Rest will entdeckt werden.
  2. Verändere immer nur eine Sache. Beweg dich langsam, dann schnell. Bleib still stehen. Komm näher. Achte darauf, was sich verändert.
  3. Schau zuerst anderen zu. In einer Installation zeigt dir oft das Spiel einer anderen Person eine Möglichkeit, die du übersehen hättest.
  4. Gib ihm ein paar Minuten. Viele Werke zeigen ihr Verhalten erst, wenn du aufhörst, sie kontrollieren zu wollen.
  5. Vergib Berechtigungen bewusst. Erlaube im Browser Kamera oder Mikrofon nur, wenn ein Werk sie braucht und sagt, wofür.
Lichtsaiten: neun senkrechte Saiten aus farbigem Licht, eine davon zu einem hellen Bogen gespannt.
Lichtsaiten, echte Aufnahme aus Synfield. Öffnet die Seite der Welt.

Häufige Fragen

Ist interaktive Kunst immer digital?

Nein. Sie wird durch die Beziehung zwischen Werk und Publikum definiert, nicht durch Technik. Ascotts Change Paintings, viele partizipative Performances und Objekte, die das Publikum neu anordnet, sind ohne Elektronik interaktiv. Digitale Technik hat neue Arten der Antwort möglich gemacht, vor allem durch Kameras und Echtzeitgrafik.

Ist ein Videospiel interaktive Kunst?

Manche Spiele werden als Kunst geschaffen und wahrgenommen, und interaktiv sind sie ohnehin. Spiele haben meist Ziele, Regeln zum Gewinnen und ein Gefühl von Fortschritt; interaktive Kunstwerke laden häufiger zu offenem Erkunden ein. Die Grenze ist fließend, und viele Werke stehen auf beiden Seiten.

Ist generative Kunst dasselbe wie interaktive Kunst?

Nein. Generative Kunst entsteht durch ein System, das mit einer gewissen Eigenständigkeit arbeitet, und sie kann laufen, ohne dass jemand sie berührt. Interaktive Kunst antwortet auf ihr Publikum. Wenn ein generatives System auch auf Menschen reagiert, entsteht interaktive generative Kunst.

Ist KI-Kunst interaktiv?

Das hängt vom Werk ab. Ein Bild, das ein KI-Generator erzeugt hat und das dann als Druck ausgestellt wird, ist für die Betrachtenden nicht interaktiv. Manche interaktiven Werke nutzen intern maschinelles Lernen, so wie Blob Opera für seine Stimmen, und manche Künstlerinnen und Künstler bauen Installationen um Modelle, die auf Besucher reagieren. »KI« beschreibt eine Technik; »interaktiv« beschreibt eine Beziehung zum Publikum.

Wo kann ich interaktive Kunst sehen?

In Medienkunstzentren wie dem ZKM in Karlsruhe, auf Festivals wie der Ars Electronica in Linz, in Wissenschafts- und Kunstmuseen und im Web. Viele historische Werke sind online mit Videos dokumentiert, wenn sie nicht ausgestellt sind; Text Rain etwa ist beim Smithsonian als derzeit nicht ausgestellt verzeichnet.

Vor dem nächsten Werk

Das Nützlichste, was du zu deiner nächsten Begegnung mit einem interaktiven Werk mitnehmen kannst, ist eher eine Handvoll Fragen als eine Definition. Worauf hört es? Wie schnell antwortet es? Erinnert es sich an das, was ich getan habe? Verhält es sich anders, wenn noch jemand dazukommt? Was passiert, wenn ich weniger tue?

Du wirst merken, dass die Antworten so viel über die Ideen des Werks verraten wie jeder Wandtext. Kruegers Silhouetten handeln davon, einen Raum über die Distanz zu teilen; Davies' Atemschnittstelle vom Langsamerwerden; Lozano-Hemmers Glühbirnen von der Spur, die jeder Mensch hinterlässt. In der interaktiven Kunst ist die Art, wie ein Werk zuhört, oft das, was es zu sagen hat.

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